Altes Haus

Energieausweis Klasse H: Worst Performing Building – Was bedeutet das?

Stephan Grosser - Immobilienexperte in Bremen
Stephan Grosser Immobilienexperte für Energieausweise seit 2018

Die Kurzantwort: Was bedeutet Energieausweis Klasse H?

Energieausweis Klasse H (Worst Performing Building, WPB) bedeutet die schlechteste Energieeffizienzklasse mit einem Energieverbrauch von mehr als 250 kWh/m²a. Diese Gebäude gelten als energetisch mangelhaft und verursachen hohe Heizkosten. Bei Verkauf und Vermietung muss die Energieeffizienzklasse gemäß § 87 GEG in Immobilienanzeigen angegeben werden.

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Was bedeutet die Energieeffizienzklasse H?

Die Energieeffizienzklasse H ist die unterste Stufe der energetischen Bewertungsskala für Gebäude in Deutschland. Sie wurde eingeführt, um besonders energieineffiziente Gebäude zu kennzeichnen und im Markt transparent zu machen.

Die Energieeffizienzklassen im Überblick

KlasseEndenergieverbrauchBewertung
A+unter 30 kWh/m²aSehr gut (Niedrigstenergiehaus)
A30-50 kWh/m²aSehr gut (Effizienzhaus)
B50-75 kWh/m²aGut
C75-100 kWh/m²aBefriedigend
D100-130 kWh/m²aAusreichend
E130-160 kWh/m²aMangelhaft
F160-200 kWh/m²aSchlecht
G200-250 kWh/m²aSehr schlecht
Hüber 250 kWh/m²aUnzureichend (WPB)

Was bedeutet 250 kWh/m²a konkret? Bei einem 100 m² Haus entspricht das einem jährlichen Energieverbrauch von über 25.000 kWh – bei aktuellen Energiepreisen (Stand Februar 2026) bedeutet das Heizkosten von deutlich über 3.000 EUR pro Jahr.


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Was ist ein Worst Performing Building (WPB)?

Worst Performing Building (WPB) ist ein Begriff aus der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD), der Gebäude mit besonders schlechter Energieeffizienz bezeichnet. In Deutschland entspricht das der Energieeffizienzklasse H mit einem Endenergieverbrauch von über 250 kWh/m²a.

Rechtliche Einordnung

Im deutschen GEG gibt es aktuell keine spezifischen Zusatzpflichten für WPB-Gebäude. Es gelten die allgemeinen Regeln:

PflichtGrundlage
Energieausweis vorlegen§ 80 GEG – bei Verkauf und Vermietung
Angaben in Immobilienanzeigen§ 87 GEG – Energiekennwerte und Effizienzklasse
Aushangpflicht§ 80 GEG – bei öffentlichen Gebäuden >250 m²
Bußgeld bei Verstoß§ 108 GEG – bis zu 10.000 EUR

Hinweis: Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024) sieht vor, dass WPB-Gebäude langfristig saniert werden sollen. Die nationale Umsetzung in Deutschland steht noch aus.

Wichtig: Auch ein Energieausweis mit Klasse H ist ein vollwertiger, gültiger Energieausweis. Er erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen für Verkauf und Vermietung.


Nachteile eines Energieausweises Klasse H

Ein H-Ausweis bringt erhebliche Nachteile für Eigentümer mit sich. In meiner täglichen Praxis in Bremen und Umgebung sehe ich regelmäßig, wie diese Ausweise Transaktionen erschweren.

Nachteile beim Verkauf

ProblemAuswirkung
KaufpreisminderungKäufer kalkulieren Sanierungskosten in den Kaufpreis ein
Längere VerkaufszeitDie Vermarktung kann deutlich länger dauern
FinanzierungshürdenBanken bewerten die Immobilie ggf. konservativer
NachverhandlungenKäufer fordern Preisnachlässe für anstehende Sanierungen

Praxis-Tipp: Durch eine Best-Case-Optimierung des Energieausweises lässt sich die Klasse manchmal um 1-2 Stufen verbessern – wenn tatsächlich vorhandene Modernisierungen korrekt erfasst werden. Das kann die Vermarktungschancen deutlich verbessern.

Nachteile bei der Vermietung

  • Schwierigere Vermarktung: Energiebewusste Mieter meiden WPB-Immobilien
  • Höhere Leerstandszeiten: Längere Suche nach Mietern
  • Mietpreisniveau: Niedrigere Mieten wahrscheinlich aufgrund hoher Nebenkosten
  • Mieterwechsel: Bestehende Mieter suchen bei steigenden Energiekosten alternatives Wohnen

Image-Schaden

Ein H-Ausweis signalisiert nicht nur schlechte Energieeffizienz – er wirft auch ein schlechtes Licht auf die Immobilie insgesamt. Potenzielle Interessenten fragen sich: „Wenn der Vorbesitzer nicht in Energieeffizienz investiert hat, was wurde sonst noch vernachlässigt?”


Warum haben manche Gebäude Klasse H?

Nicht jedes Gebäude mit Klasse H ist ein „Energiefresser“ per Definition. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Ausweis diese Klasse zeigt.

Typische Ursachen für Klasse H

UrsacheErklärungHäufigkeit
Ungedämmter AltbauGebäude vor 1970 ohne nennenswerte DämmungSehr häufig
Alte HeizungÖl- oder Gasheizungen über 20 Jahre altHäufig
Schlechte FensterEinfachverglasung oder alte 2-fach-FensterHäufig
Kalte KellerUngedämmte Kellerdecken, WärmeabflussMittel
Thermische BrückenSchlecht ausgeführte AnschlussdetailsMittel
Unsanierte DächerKeine Dachdämmung oder AltbaustandardSehr häufig

Der Altbau-Faktor

Bremen und Umgebung haben besonders viele Altbauten:

  • Gründerzeitviertel (Östliche Vorstadt, Schwachhausen): Häufig H bis G
  • 1950er-60er Jahre (Huchting, Osterholz): Typisch F bis H
  • Plattenbauten (Vahr, Tenever): Meist E bis G, seltener H

Aus meiner Erfahrung: Viele Eigentümer von Altbauten aus den 1950er Jahren sind überrascht, wenn ich ihnen einen H-Ausweis ausstelle. „Das Haus ist doch massiv gebaut!” – Ja, aber massiv heißt nicht automatisch energieeffizient. Die fehlende Dämmung und alten Fenster ziehen die Bilanz nach unten.

In meiner täglichen Arbeit in Bremen sehe ich häufig, wie selbst gut erhaltene Häuser aus den 1950er-70er Jahren ohne Sanierung in die Klasse H fallen. Die gute Nachricht: Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die Klasse deutlich verbessern – oft schon durch einen Heizungstausch kombiniert mit Dachdämmung.

Falscher Ausweis-Typ

Manchmal liegt die schlechte Klasse auch am gewählten Ausweis-Typ:

  • Verbrauchsausweis bei saisonaler Nutzung: Ein Ferienhaus, das nur sporadisch beheizt wird, zeigt oft unrealistisch schlechte Werte
  • Nicht berücksichtigte Modernisierungen: Wenn Verbesserungen nicht im Bedarfsausweis eingerechnet werden

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Wie komme ich von Energieklasse H auf bessere Klassen?

Der Sprung von H auf eine bessere Energieeffizienzklasse ist möglich – und oft einfacher als gedacht. Mit gezielten Sanierungsmaßnahmen lassen sich meist 2-3 Klassen verbessern.

Schritt-für-Schritt zur besseren Energieklasse

1. Energetische Sanierungsberatung (iSFP)

Der erste Schritt sollte immer eine professionelle Beratung sein. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt Ihnen:

  • Genauen Ist-Zustand Ihres Gebäudes
  • Optimale Sanierungsschritte
  • Kosten-Nutzen-Analysen
  • Verfügbare Förderungen (BAFA, KfW)

Förder-Tipp: Der iSFP wird vom BAFA mit 50 % gefördert (max. 650 € für Ein-/Zweifamilienhäuser, max. 850 € für MFH). Zusätzlich erhalten Sie mit einem iSFP 5 % Extra-Förderung auf alle folgenden Sanierungsmaßnahmen. Mehr zum iSFP erfahren

2. Heizungstausch (größter Hebel)

Die Heizung ist oft der größte Energiefresser. Ein Tausch bringt massive Verbesserungen:

Alte HeizungNeue HeizungEinsparpotenzialNeue Klasse (typisch)
Alte Ölheizung (25+ Jahre)Wärmepumpe40-50 %H → E/D
Alte GasheizungWärmepumpe30-40 %H → F/E
NachtspeicherWärmepumpe50-60 %H → D/C

3. Dämmung der Gebäudehülle

Neben der Heizung ist die Dämmung entscheidend:

  • Dachdämmung: Einsparung bis zu 25 %, typisch H → G
  • Kellerdeckendämmung: Einsparung bis zu 15 %
  • Fassadendämmung: Einsparung bis zu 30 %, typisch H → F/E
  • Fenster tauschen (2- auf 3-fach): Einsparung bis zu 20 %

4. Kombinierte Maßnahmen für Effizienzsprünge

KombinationInvestitionErgebnisNeue Klasse
Heizung + Dachdämmung25.000-35.000 EUR40-50 % EinsparungH → D/C
Komplettsanierung (EnEV-Standard)80.000-120.000 EUR60-70 % EinsparungH → B/A
KfW-Effizienzhaus-Standard100.000-150.000 EUR75-85 % EinsparungH → A+

Praxis-Tipp: Durch die Kombination mehrerer Maßnahmen (z. B. Wärmepumpe + Dachdämmung + Fenster) lassen sich bei Altbauten oft erhebliche Verbesserungen erzielen. Mit einem iSFP als Grundlage profitieren Sie zusätzlich von 5 % Extra-Förderung auf jede Einzelmaßnahme.


Typische Sanierungsszenarien für Klasse-H-Gebäude

Szenario 1: Einfamilienhaus Baujahr 1950-1970

Ausgangslage: Unsanierter Altbau mit alter Öl- oder Gasheizung, einfach verglasten oder alten Doppelfenstern und ohne Wärmedämmung. Typischer Energieverbrauch: 280-350 kWh/m²a (Klasse H).

Empfohlene Maßnahmen: Wärmepumpe, Fassaden- und Dachdämmung, Fenstertausch auf 3-fach-Verglasung. Mit diesen Maßnahmen ist eine Verbesserung auf Klasse C oder D realistisch.

Szenario 2: Mehrfamilienhaus vor 1920

Ausgangslage: Gründerzeit- oder Altbau mit hohen Decken, ungedämmten Wänden und veralteter Heiztechnik. Energieverbrauch oft über 250 kWh/m²a.

Empfohlene Maßnahmen: Stufenweise Sanierung nach iSFP – erst Heizung, dann Dämmung. Bei Komplettsanierung sind Verbesserungen auf Klasse B oder C möglich. Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten Ausnahmen nach § 105 GEG.

Förder-Tipp: Kombinieren Sie BAFA- und KfW-Förderung für maximale Zuschüsse. Mit einem iSFP als Grundlage erhalten Sie 5 % Extra-Förderung auf jede Einzelmaßnahme (BEG). Heizungstausch wird über KfW 458 mit bis zu 70 % gefördert.


FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Energieklasse H

Ist Energieklasse H schlecht?

Ja, energetisch betrachtet ist Klasse H die schlechteste Bewertung. Sie bedeutet hohe Energiekosten, schlechte Umweltbilanz und Einschränkungen bei Verkauf/Vermietung. Allerdings ist ein H-Ausweis weiterhin ein vollwertiger, gesetzlich anerkannter Energieausweis – er erfüllt alle Pflichten für Transaktionen.

Kann ich mit Energieklasse H verkaufen?

Ja, der Verkauf ist uneingeschränkt möglich. Der Energieausweis Klasse H ist ein gültiges Dokument nach GEG. Allerdings müssen Sie:

  • Den WPB-Status im Exposé angeben
  • Bei Besichtigungen auf die schlechte Effizienz hinweisen
  • Mit Preisabschlägen oder längeren Verkaufszeiten rechnen

Was kostet die Verbesserung von Klasse H?

Das kommt auf das Ziel an:

  • H → G/F: Ab ca. 8.000 EUR (Heizungstausch)
  • H → E/D: Ab ca. 25.000 EUR (Heizung + erste Dämmung)
  • H → B/A: Ab ca. 80.000 EUR (Komplettsanierung)

Wichtig: Durch BAFA- und KfW-Förderungen tragen Sie oft nur 50-60 % der Kosten selbst.

Kann ich von H auf A kommen?

Ja, das ist technisch möglich – allerdings nur mit umfassender Sanierung. Typischerweise benötigen Sie:

  • Mindestens 75 % Einsparung gegenüber Ausgangswert
  • Sehr gute Dämmung aller Bauteile (Dach, Wand, Keller, Fenster)
  • Moderne Heizung (idealerweise Wärmepumpe)
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Die Investition liegt meist bei 100.000-150.000 EUR für ein Einfamilienhaus, ist aber bis zu 50 % förderfähig.

Gibt es Pflichten beim Energieausweis Klasse H?

Für Privatpersonen: Keine unmittelbaren Handlungspflichten. Der H-Ausweis ist gültig und erfüllt die gesetzlichen Anforderungen.

Für öffentliche Gebäude: Es besteht eine Vorbildfunktion nach § 4 GEG, aber keine spezifische WPB-Sanierungspflicht.

Für alle: Die Energieeffizienzklasse muss nach § 87 GEG in Immobilienanzeigen angegeben werden.


Alle Informationen zu Energieausweisen für Wohngebäude finden Sie auf meiner Übersichtsseite.

Lesen Sie auch: Energieausweis für Wohngebäude

Fazit: Energieausweis Klasse H ist kein Weltuntergang – aber ein Weckruf

Ein Energieausweis Klasse H (Worst Performing Building) bedeutet die schlechteste energetische Bewertung mit mehr als 250 kWh/m²a Verbrauch. Das hat reale Konsequenzen: hohe Heizkosten, schwierigere Vermarktung und mögliche Wertverluste.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Der H-Ausweis ist trotzdem ein vollwertiger, gültiger Energieausweis
  • Verkauf und Vermietung sind möglich, erfordern aber Transparenz
  • Mit gezielten Sanierungen lassen sich 2-3 Klassen verbessern
  • Förderungen (BAFA, KfW) machen Sanierungen finanzierbar
  • Der iSFP zeigt den optimalen Sanierungsweg (50 % BAFA-gefördert)

Meine Empfehlung als Experte für Energieausweise: Lassen Sie sich nicht von einem H-Ausweis verunsichern, aber handeln Sie. Je früher Sie mit gezielten Sanierungen starten, desto schneller sinken Ihre Energiekosten und desto höher wird Ihr Immobilienwert. Durch meine Best-Case-Optimierung stelle ich sicher, dass Ihr Energieausweis den bestmöglichen Wert für Ihre Immobilie zeigt – rechtssicher und zu Ihrem Vorteil.


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  1. Energieausweis prüfen lassen – Ich bewerte Ihre aktuelle Situation
  2. iSFP erstellen lassen – Sanierungsfahrplan mit 50 % BAFA-Förderung
  3. Sanierungsmaßnahmen planen – Schrittweise oder komplett

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